Wer als VfL-Fan am letzten Samstagabend zur Primetime um 20:15 Uhr das Programm im Showsender RTL sah, hätte den Eindruck haben können, dass dort eine Variante von „Verstehen Sie Spaß“ gezeigt wird. So abwegig ist das nicht: Schließlich wurden vom Original dieser Show (in der ARD), damals noch mit Paola und Kurt Felix schon einmal VfL-Fans hereingelegt – mit einem Fake-Kommentar beim Pokalfinale 1988. *Siehe hier*
Doch im Stadion und beim Sender Sky war leider das identische Spiel zu sehen. Es war bitterer Ernst, was der VfL in Nürnberg beim angeblichen „Spitzenspiel“ auf dem Rasen zeigte. Oder eben zumindest nach anfänglich „okayen“ 15 Minuten nicht zeigte. Fans, die schon viele Jahrzehnte mit dem Verein mitleiden, kommentierten die abermalige Niederlage mit negativen Superlativen. Ob es wirklich „der schlechteste VfL aller Zeiten“ ist, dürfte objektiv schwer zu beurteilen sein. Zumindest ist Platz 17 nach 6 Spielen in der Zweiten Liga ein starkes Indiz. Die einzige Statistik, die der VfL derzeit anführt, ist die der meisten Gelben Karten (26).
Die Millionenfrage, was sich verändern muss
Die Probleme sind hinlänglich bekannt. Aus dem US-Militär stammt für eine Lage, in der vieles zugleich schief läuft, der Begriff Clusterfuck. Eine vermurkste Kaderzusammenstellung, bei der selbst Experten ratlos sind, was nun das passende System sein könnte. Führungsspieler, die underperformen und junge Talente, die sich davon mit runterziehen lassen. Viele verletzte Spieler obendrein. Niederlagen in Serie, die jedes Selbstvertrauen zerstören. Fans, die den letzten Abstieg noch solidarisch hinnahmen, schwanken nun zwischen Resignation, Wut und kleinteiligen Taktikdebatten. Und mal wieder die Doppelentlassung von Trainer und Sport-Geschäftsführer, was das Führungsvakuum größer und den finanziellen Spielraum noch enger macht.
Der neue Coach David Siebers, von dem man noch nicht weiß, ob er den Übergangstitel „Interim“ trägt, ist nicht zu beneiden. Überträgt man die auf allen Kanälen offen ausgetragene Ratlosigkeit rund um den VfL (zugegeben, etwas „gewollt“) auf eine erfolgreiche RTL-Sendung (ja, die eine da, mit diesem Herrn Jauch), dann stünde man vor der Frage, welchen Joker man zieht. Der Publikumsjoker hilft kaum weiter, weil die Urteile in Fankreisen, was sich verändern müsse, wild durcheinander gehen. Der 50:50-Joker liefe auf die Frage hinaus, ob man einen Teil der Mannschaft (gemeint sind die etablierten Kräfte) ausschließt, also auf die Tribüne setzt. Das Risiko einer weiteren inneren Destabilisierung wäre jedoch sehr hoch. Der Expertenjoker hieße, einen neuen Trainer zu holen. Nimmt man die drei, die derzeit am meisten diskutiert werden, ist auch fraglich, ob man einen Grammozis, Funkel oder gar Neururer wirklich anrufen sollte.
Samstag gegen Düsseldorf
Am kommenden Samstagabend bestreitet der VfL das nächste „Spitzenspiel“, was RTL diesmal klugerweise in seinen Ableger „Nitro“ verlagert hat. Im Hauptprogramm läuft die „Show der Champions“, was man vom Duell des VfL gegen Fortuna Düsseldorf sicher so nicht behaupten kann. Auch die hoch gehandelten Rheinländer sind nur mäßig in die Saison gestartet, haben aber mit dem VfL noch die Rechnung aus der verlorenen Relegation offen. Doch wie bekomme ich jetzt die Brücke zur Abschlusspointe hin? Es gibt zumindest ein Video in der Mediathek von RTL, in dem der Comedian Paul Panzer in einer Kochsendung mehr schlecht als recht eine Sequenz der Kantate „Carmina Burana“ von Carl Orff, nun ja „singt“. In dieser Kantate wird die Glücksgöttin Fortuna besungen und in einer Passage heißt es aus dem Lateinischen übersetzt: „Die Wunden die Fortuna schlug, beklage ich mit nassen Augen“. Hoffen wir mal, dass der VfL den richtigen Joker zieht und die Glücksgöttin mit null Punkten und „nassen Augen“ zurück an den Rhein fahren muss.
Das nächste Spiel: VfL Bochum 1848 – Fortuna Düsseldorf. Samstag, 27. September 2025, 20:30 Uhr, Junction Café