Wann hat man sich zuletzt vergleichsweise (ja, ganz ganz sicher kann man sich beim VfL bis zum Abpfiff nie sein!) so entspannt ein Spiel des VfL anschauen können wie am letzten Samstag? Schon nach 17 Minuten lag der VfL mit 3:0 vorne. Auch durch einen Doppelpack (Standard, Schuss, Tor) von „Wittekoko“. Das Team konnte dann ein bisschen in den „Energiesparmodus“ schalten, denn es steht eine wichtige englische Woche bevor.
Historische Bezüge Teil 1: Mittwoch im Pokal gegen Stuttgart
Am Mittwoch steht das Pokal-Achtelfinale zuhause gegen den VfB Stuttgart an. Wer ein Beispiel dafür sucht, wann der VfL jemals einen Titelverteidiger im Pokal geschlagen hat, muss nicht lange suchen, wenn man historisch gesehen „hinten“ anfängt. In der Pokalsaison 1967/68 schlug der VfL im Halbfinale den Vorjahressieger FC Bayern München und zog so ins Finale ein. Und wer war der Gegner im Achtelfinale, den wir (insofern logisch) auch rausgeworfen haben? Richtig, der VfB Stuttgart. Zu Recht nimmt der VfB dieses Spiel daher ernst und hat am letzten Spieltag auch den „Spielerschon-Gang“ eingeschaltet (aber dann verloren). Wer noch ein Beispiel findet, wann der VfL einmal einen Titelverteidiger im DFB-Pokal rausgekegelt hat, bekommt am Mittwoch im Junction Café ein „Fiege“ ausgegeben. (Dies vielleicht als ein kleiner Anreiz, das Spiel nicht alleine auf dem Sofa in der ARD zu schauen).
Historische Bezüge Teil 2: Samstag in der Liga gegen Bielefeld
Am Samstag dann steht das Heimspiel gegen Arminia Bielefeld an. Einen Club, mit dem uns keine besondere Freundschaft verbindet.Hämische Fangesänge gegen andere Vereine haben ja (wie auch immer dazu steht) etwas an Kurvenrelevanz abgenommen. Aber ist Bochum ist es immer noch eine (und ja, leicht peinliche) „Folklore“, in Teilen (nu ja…) der Fanszene und auch bei extrovertierten Ex-Spielern.
Der Autor dieses Newsletters ist sich jedoch mit dem 11-Freunde-Chefredakteur Philipp Köster (erklärter Arminia-Fan und „Bochum-Hasser“) weiter einig, dass die Rivalität nicht nur in bestimmten „Vorkommnissen“ liegt. (Die Älteren erinnern sich. In Bielefeld: Wosz und sein Stinkefinger. In Bochum dann als Antwort: „Kniet nieder vor König Dariusz, ihr Bauern“ etc.) Sondern vor allem darin, dass beide Vereine und Städte sich so „schrecklich“ ähnlich sind. Hier nochmals die wichtigen Parallelen:
- Bochum und Bielefeld, zwei mittelgroße westfälische Großstädte, deren „Schönheit“ sich zunächst einmal nur Einheimischen erschließt.
- VfL und Arminia, zwei Vereine, die Anfang der 1970er in die Bundesliga aufgestiegen sind, aber dann irgendwann mit dem Paternoster runter und rauf kreisten (Bielefeld allerdings öfter und tiefer in den Keller).
- Zwei Vereine, die früher beide als etwas „graumausig“ galten, inzwischen jedoch als „Traditionsclubs“. Denn in Zeiten, in den südwestdeutsche Dörfer und Retortenclubs die halbe Bundesliga belagern, erkennt „Fußballdeutschland“ eben, was „echte“ Fußballkultur ist.
- Und das, obwohl beide Vereine niemals einen nationalen Titel geholt haben. Außer natürlich so „Verlegenheitstitel“ wie Zweitligameister – und das beide auch 4-mal, oder Vize-Pokalsieger, Bochum 2-mal, Bielefeld 1-mal.
- Zwei Vereine mit traditionsreichen echten Fußballstadien, die es schon gab, als Stadien noch keine charakterlosen und oft architektonisch austauschbaren Eventstätten am Stadtrand waren. Zwar entstanden beide einst auf „Ackerland“, sind aber dennoch citynah und fußläufig vom jeweiligen Hauptbahnhof erreichbar.
- Und etwas „erschreckend“ auch das: Die Bilanz könnte aus den bislang 55 Begegnungen ausgeglichener kaum sein. Der VfL hat 20 Siege, Bielefeld 18 und 17-mal endete das Duell mit Remis. Noch krasser „ähnlich“ ist die Tordifferenz mit 80 zu 79.
Dennoch ist der VfL natürlich der viel „geilere“ Verein. Wir waren immerhin schon zweimal im UEFA-Cup. Ha! Unser Stadion heißt noch „Stadion“ und unsere historische Bezeichnung „Bauer Dieckmanns Wiese“ ist zwar auch bäuerlich (um nochmals auf die selbstverständlich völlig inakzeptablen Gesänge wie „Kühe, Schweine, Bielefeld“ anzuspielen), aber immerhin westfälischer als „Alm“. Also: Die knappe Bilanz sollten wir verbessern. Und das am besten als Teilnehmer des DFB-Viertelfinales.
Die nächsten Spiele:
Pokal: VfL Bochum 1848 – VfB Stuttgart, Mittwoch, 3. Dezember, 18:00 Uhr
Liga: VfL Bochum 1848 – Arminia Bielefeld, Samstag, 6. Dezember, 13:00 Uhr
Beides: Junction Café (oder im Ruhrstadion)