JHV des VfL und Freitag gegen Schwarz-Gelb Ost

Gestern Abend fand die diesjährige Jahreshauptversammlung des VfL statt. Im Vorfeld gab es in Bochum ein bisschen Aufregung über eine mehr als fragwürdige Plakataktion, bei der im Stile von Terroristen-Fahndungsplakaten der 1970er Jahre gegen die Berufung von zwei Personen in den neu zu formierenden Wirtschaftsrat des Vereins Stimmung gemacht wurde. Wobei dieser Rat gar nicht von der Mitgliederversammlung gewählt wird. Das Ganze spielte dann gestern nur noch am Rande eine Rolle. Die „Fahnungsplakatierer“ agierten so geheim ermittelnd, dass sie sich auf der JHV gar nicht zu erkennen geben mochten.

Die JHV war sachlich und friedlich, aber auch keine Jubelarie. Warum auch? Die personalpolitischen Fehlentscheidungen (und entsprechenden Folgekosten) der jüngeren Vergangenheit wurden offen eingestanden. Wirtschaftlich hat der VfL etwas Glück im Unglück. Aus der letzten Saison nimmt er einen Gewinn von rund 6,5 Millionen mit, der laut Geschäftsführer Ilja Kaenzig so spät zustande kam (u.a. Vertragsauflösungen Letsch und Zeidler sowie eingesparte Prämien für den Klassenerhalt), dass er in der letzten Saison nicht mehr reinvestiert werden konnte. Damit wird eine Etatlücke in der laufenden Saison geschlossen. Wenig Neues gab es in Sachen Investor, Stadionumbau etc. Zu erwähnen noch, dass angestrebt wird, die Zahl der Mitglieder von derzeit knapp 33.000 bis 2028 auf 40.000 zu erhöhen. Also bitte: alle eintreten!

Der eigentliche „Showdown“ war ein Antrag zur Satzungsänderung, der keine Satzungsänderung war, sondern nur ein Antrag, der das Präsidium beauftragte, eine Satzungsänderung zu formulieren. Nicht verstanden? – egal. Es war taktisch aber clever, denn so war keine satzungsändernde Zweidrittelmehrheit, sondern zunächst nur eine einfache Mehrheit erforderlich. Immer noch nicht verstanden? Egal. Es ging in der Sache darum, dass das Präsidium in Zukunft nicht mehr als „Block“ (also Gesamtteam) gewählt wird, sondern jedes einzelne Mitglied für sich. Dieser Antrag fand gegen das Votum des Präsidiums und die (leider) etwas wenig empathische Gegenrede des Vorstandsvorsitzenden Andreas Luthe schließlich eine Mehrheit.

(Und hier ein Einschub, weil unser Fanclub und auch dieser Newsletter sich im Grundsatz gegenüber vereinspolitischen Fragen neutral verhält. Aber eine Anmerkung sei im Sinne eines persönlichen Kommentars gestattet. Wenn man immer noch mehr Mitglieder will, dann sollte man diese nicht nur als „Beitragszahler“ verstehen, sondern dann ist das ein Bekenntnis, dass der Verein auch (!) eine demokratische Mitgliederorganisation ist. Und dann muss man auch ein Zugeständnis machen, dass Mitglieder natürlich nicht über operative Details, aber über grundsätzliche Fragen, die den Verein und die personelle Zusammensetzung seiner Führung haben ein Mitwirkungsrecht haben. Ob das nun eine Einzelwahl oder andere Formen der Mitwirkung sind, sei hier mal dahingestellt. Nur gab es dieses „werbende“ Signal leider gar nicht. Schade!) 

Morgen: gegen Schwarz-Gelb Ost (Dresden) 

Unter Flutlicht und bei aktuell prognostizierten null Grad empfängt der VfL am Freitag Dynamo Dresden. Einem Club mit einer imposanten, wenn auch nicht so ganz unumstrittenen Fanszene. Schwarz und gelb sind deren Farben. Es sind rein ästhetisch in der Kombi ziemlich hässliche Farben. Nicht nur im Fußball. In der Natur sind es aus gutem Grund „Warnfarben“. Mischt man schwarz und gelb, kommt fäkalienfarben dabei heraus. Und ist es ein Zufall, dass schwarz-gelbe Vereine in den Kurven ein gewisses kleines Problem mit „braun“ haben? Also Dortmund, Aachen und auch Dresden? (Okay, ich wollte das Politische ja lassen, sorry dafür).

Nein, nein. Dresden ist eine große europäische Kulturstadt. Wurde leider von der Royal Airforce ziemlich zerstört „damals“, was immer noch zu Ungemach in bestimmten Kreisen führt. (Der Ruhrpott im Übrigen auch, war auch schlimm, aber wir Pottler gehen damit demütiger und zukunftsorientierter um). Und dann haben ihnen auch noch die verhassten Berliner die Juwelen aus dem Grünen Gewölbe geklaut. Wie fies! Dennoch ist Dresden divers, tolerant und weltoffen. Sie haben einen Zwingerclub und gegen alle Kritik am „gendern“ sogar eine Frauenkirche. Das Elbtal ist Unesco-Weltkulturerbe. Ach nee, wegen der Waldschlösschenbrücke ja nicht mehr. Wobei, die andere, die Carolabrücke, ist ja nun kaputt. Sollte man vielleicht neu verhandeln? Aus Dresden stammen große Künstler wie Gerhard Richter, Erich Kästner und Richard Wagner (wobei der ja auch wieder… nein, okay, ich lass es!)

Also tritt nun unser kurzbebuxte Thüringer Coach mit seinem Team an gegen kurzbebuxte Sachsen. Beim VfL wird das Konkurrenzproblem langsam größer. Zwar ist Leandro Morgalla gesperrt und womöglich wird für ihn Felix Passlack ins Team rutschen. Aber die Langzeitverletzten wie Kwarteng, Miyoshi und inzwischen auch wieder Sissiko (6) drängen in die Startelf. Mit einem Sieg könnte der VfL (je nach Höhe) vorübergehend sogar Platz 10 oder 11 erreichen.

Das nächste Spiel: VfL Bochum 1848 – Dynamo Dresden, Freitag, 21. November, 18:30 Uhr, Junction Café